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Über Kampfpille

Kampfpille ist ein Weblog zur satirisch-zynischen Bloßstellung von Absurditäten und Kuriositäten aus Politik und Wirtschaft. Ironie und Zynismus sind hier ausdrücklich erwünscht. Gerne könnt Ihr Eure Kritiken, Anregungen und Kommentare abgeben oder miteinander diskutieren, aber bitte ohne beleidigend zu werden. Bitte haltet Euch an die allgemeine "Nettikette".
Beleidungen, Diskrimierungen oder rassistische Äußerungen kann ich nicht tolerieren.
Ältere Einträge findet Ihr über den Kalender am Rand.
Eure "Kampfpille"



Verfasst am 28.05.2010 00:39:25 Uhr
Deutsche sprechen Merkel Führungskompetenz ab!
Im vergangenen Herbst haben die Deutschen mit ihrem Kreuzchen bei der CDU noch brav dafür gesorgt, dass Merkel ein weiteres Mal ihr Amt als Bundeskanzlerin aussitzen darf. Ihre Führungseigenschaften waren zu diesem Zeitpunkt aber bereits seit mindestens vier Jahren bekannt. Wenn nun selbst CDU-Wähler Merkel die Führungskompetenz absprechen, stellt sich doch erstens die Frage welche sie vorher überhaupt hatte. Und zweitens, welche Wahlkompetenz der Wähler hat.
Es ist ein Indiz für die Verbohrtheit oder im schlimmsten Fall für die Dummheit der Wähler, wenn sie sich nur immer zwischen Union und SPD entscheiden. Das Langzeitgedächtnis vieler Menschen ist anscheinend nicht vorhanden. Warum sollte etwa die SPD nach der miserablen Rot/Grün- und der ebenso schwachen Schwarz/Rot-Regierungsbeteiligung jetzt plötzlich wieder kompetent sein?
Wieso ist es für viele so unmöglich, auch mal einer neuen Partei eine Chance zu geben? Ist es Faulheit, wenn man sich keine weiteren Parteiprogramme durchlesen will? Ist es die Angst, dass der Arbeitgeber erfährt, dass man nicht „die Etablierten“ gewählt hat? Ist es die Angst des Christen, eine Partei zu wählen, die kein „C“ im Namen hat?
Der „aufgeklärte Wähler“ wäre überrascht, wenn er die Hilfe des Wahl-O-Mat’s in Anspruch nehmen würde. Er wäre überrascht zu erfahren, wie wenig die Partei seiner Gunst womöglich seine politischen Interessen abdeckt – und welche es in Wahrheit viel mehr täte, wenn sie denn mal eine Chance bekäme. Im Grunde ist der Deutsche ja für Veränderungen – aber nur, wenn sich für ihn selber nichts ändert. Jedes Volk bekommt die Politiker, die es verdient.

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Verfasst am 03.04.2010 12:57:58 Uhr
Aílton makke 5 Tore immer Spiel !
Am 1. April 2010 gab es im Viersener Fußballstadion „Hoher Busch“ etwas ganz und gar Unglaubliches zu bestaunen: der 36-jährige brasilianische Fußballprofi Aílton Gonçalves da Silva – oder für Andersgläubige kurz Aílton – lief im Dress des Sechstligisten KFC Uerdingen 05 auf.
Wie passt das, mag man sich fragen? Ailton, der Fußballgott, nun beim KFC Uerdingen 05 in der Niederrheinliga?
Seine größten Erfolge in der Bundesliga feierte Aílton bei und mit Werder Bremen. 1999/2000 erzielte er zwölf Treffer, 2000/01 dreizehn, 2001/02 sechzehn, 2002/03 ebenfalls sechzehn, und 2003/04 brachte er es mit 28 Toren in Deutschland zum Torschützenkönig, wurde mit Werder Bremen deutscher Meister und gewann den DFB-Pokal, zu dessen Gewinn er sechs Tore beisteuerte.
Doch warum nun der KFC Uerdingen? Der Verein, von dem einst Max Merkel sagte: „Jede Krefelder Straßenbahn hat mehr Anhänger als dieser Verein“. Nun, Uerdingen hatte das große Glück, einen zahlungskräftigen Sponsor zu finden, der bereit war, viel Geld in den Verein zu pumpen und sich nicht scheute, neben Aílton noch mehrere profiligaerfahrene Spieler zu verpflichten. Uerdingen plant binnen 5 Jahren den Aufstieg von der 6. in die 3. Liga. Die Liebe von Fans uns Sponsoren geht halt manchmal seltsame Wege.

Doch das Spiel und alles drum herum wirkt wie ein aufgesetzter Aprilscherz in der Provinz. Irgendwo im Nirgendwo ein baufälliges Stadion (das nur aus einer einzigen Tribüne besteht), einige mitgereiste Fans aus Krefeld bewerfen Ordner und Polizei mit Bierbechern und bengalischen Fackeln, das Wetter kann sich einfach nicht entscheiden in welcher Hinsicht es beschissen sein will. Wind, Kälte, Hagel, Regen – alles ist am Start. Was denkt ein Ailton, wenn er so etwas sieht?

Und dann ist da noch das Spiel: Heim- und Gastmannschaft überbieten sich an Harmlosigkeit. Der Rasen gleicht eher einem Spargelacker und macht jeden Versuch eines gepflegten Kurzpassspiels schon im Ansatz zunichte. Gerumpel ist die Folge. Die Tücken solcher Geläufe kennt er nicht, der Brasilianer. Er stürzt. Bleibt liegen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht. Doch er kann weiter machen. Seine Mitspieler suchen ihn, doch er ist immer gut gedeckt. Ja, einen wie Aílton, den kennt man auch in der sechsten Liga. Wenn auch bislang nur aus Legenden. Hier und da blitzt er mal auf, der Ballzauber des pummeligen Fußballvirtuosen, aber entweder ist es die Ackerkrume oder es sind die eigenen Mitspieler, die jede weitere Torgefahr im Keim ersticken. In der 70. Minute platzt ihm der Kragen. Der „Torhamster“ zieht wütend seine Handschuhe aus und pfeffert sie über den Platz. Nun wütende Angriffe der Krefelder. Ein 0-0 in Viersen, das ist zu wenig! Doch Torschüsse landen überall – nur nicht in der Nähe des gegnerischen Tores. Bälle verspringen. Spieler stolpern über die eigenen Beine – was nicht nur am verheerenden Rasen liegt. Nein, schön ist das nicht! Dann die letzte Spielminute – eine Flanke kommt herein … und landet hinterm Tor. Es folgt der Schlusspfiff. Danke, Schiri!
Aílton winkt kurz den wenigen mitgereisten Fans zu, die „Toni, Toni“ skandieren, seinen Spitznamen. Dann verschwindet er in den Kabinengängen. Ein ganz Großer verlässt das Rampenlicht. Vielleicht für immer.

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Verfasst am 24.01.2010 20:21:54 Uhr
Münchner "Terroralarm" wird immer peinlicher
Die Sicherheitspanne um einen vermeintlichen Sprengstoffalarm am Münchner Flughafen wird immer peinlicher. Hatte es in einigen Schlagzeilen zunächst geheißen, ein Mann habe nach dem Alarm „die Absperrungen überwunden“ und sei „weggerannt“, so zeigen die Videoaufnahmen ein völlig anderes Bild: Der Passagier sei ohne Eile nach der Kontrolle in einen Duty-Free-Shop gegangen. Als das Gebäude geräumt wurde, habe er es wie alle anderen auch verlassen – brav wie ein Lamm. Nach Aufhebung der Sperrung sei er dann zum zweiten Mal durch die Kontrollen gegangen. Auch die Bundespolizeiinspektion am Flughafen München geht mittlerweile von einem Fehlalarm bei dem mutmaßlichen Sprengstoff-Fund aus, wie ein Sprecher am Sonntag bestätigte. Vermutlich habe der Passagier gar nicht gewusst, was er angerichtet habe. Allerdings wird dennoch weiter nach dem Mann gesucht, um den Vorfall endgültig zu klären.
An dieser Posse zeigt sich einmal mehr, dass wir keine Nackt... verzeihung... Körperscanner brauchen, sondern ordentlich geschultes und bezahltes Personal. An deutschen Flughäfen arbeitet u.a. Personal auf 400-Euro-Basis oder Zeitarbeitskräfte zu Billiglöhnen. Kann man von solchem Personal ernsthaft erwarten, dass sie einem potentiellen Bombenleger nachlaufen?
Der wirkliche Skandal ist doch, dass ein argloser Bürger des Sprengstoffschmuggels verdächtigt wurde und von den Medien innerhalb weniger Minuten zum Staatsfeind Nummer Eins hochstilisiert wurde. Aber vielleicht sind solche Zwischenfälle ja gewollt. Regelmäßig ein inszenierter Terroralarm hier und dort, und das Volk vergisst nicht, dass der Feind noch lauert. Angst machen, Angst machen, Angst machen, - so lassen sich die Stellschrauben für Totalüberwachung immer fester anziehen. Mit genug Angst bekommt man jede Doktrin durch. Angst essen Hirn auf! Und der deutsche „Qualitätsjournalismus“ macht munter mit beim Kesseltreiben, denn die Wahrheit ist auflagenfeindlich.
Und wenn die Polizei schon zitiert wird mit: „Vermutlich habe der Passagier gar nicht gewusst, was er angerichtet habe“, dann sollte man sofort die Gegenfrage stellen: „Ja hat er denn überhaupt etwas angestellt?“
Nach allen bisherigen Berichten der Polizei ist klar, dass der Mann nichts, aber auch gar nichts angerichtet hat. Fehlerhaft arbeitende Technik und das demotivierte Personal haben diesen Vorfall möglich gemacht. Klar wird der Mann jetzt gesucht! Aber nicht zur „endgültigen Aufklärung“, wie es heißt, sondern um ihm eine Rechnung für den Wirrwarr zu präsentieren. Die „Zielperson“ tut gut daran, sich nicht zu melden, denn es wird gerade ein Sündenbock gesucht. Die Behörden verstehen nun einmal keinen Spaß, wenn ihre Unfähigkeit so offen zur Schau gestellt wird.

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Verfasst am 11.01.2010 21:35:39 Uhr
Schlecker knickt vor Bundes-Uschi ein
Mit solch einem schnellen Erfolg hat Frau von der Leyen wohl selber nicht gerechnet. Schlecker lenkt ein – und hofft so wahrscheinlich darauf, doch noch ungeschoren und ungeprüft davon zu kommen. Aber gerade jetzt sollte trotzdem eine eingehende Überprüfung durchgeführt werden. Nur wer etwas zu verbergen hat, lenkt überraschend ein. Doch diese Prüfung sollte nicht nur bei Schlecker und Konsorten erfolgen. Auch die Politik hat sich jetzt im Spiegel anzuschauen. Denn Schlecker nutzte mit der Zeitarbeit nur das gesetzliche Instrumentarium, das ihm von der Politik so schmackhaft serviert wurde. Schlecker tat damit das, wozu ein Unternehmen da ist: Gewinn maximieren. Also sollte auch unsere Regierung einige unangenehme Fragen beantworten. Fragen zu einem Gesetz, das offensichtlich wieder einmal verabschiedet wurde, ohne konsequent zu Ende gedacht worden zu sein.
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Verfasst am 04.01.2010 23:16:07 Uhr
Waffen-Amnestie in Absurdistan
Frank D.* wollte ohne Strafe bleiben und bekam es gerade deshalb mit der Justiz zu tun. Im Rahmen der Waffen-Amnestie trug der Rentner eine illegale Schusswaffe zu einer Polizeiwache in der Nähe seines Wohnortes. Was er nicht wusste: Trotz der erlassenen Waffen-Amnestie machte er sich durch den Transport der Waffe zur Polizei strafbar. So leitete die Polizei im Raum Goslar mehrere Strafverfahren wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe gegen Bürger ein, die Waffen direkt und persönlich in ein Revier brachten. Wobei zu berücksichtigen ist, dass Besitzer einer illegalen Waffe nicht zwangsläufig auch illegal in deren Besitz gelangt sein müssen. Kriegsandenken und Erbschaften sind hier das entscheidende Stichwort.
Die Amnestievorschrift im Waffengesetz habe der Polizei aber keine andere Wahl gelassen, wird nun behauptet. Obwohl es im Amnestieparagraf vom Juli 2009 heißt: „Wer … eine unerlaubt besessene Waffe bis zum 31. Dezember 2009 unbrauchbar macht, einem Berechtigten überlässt oder der zuständigen Behörde oder einer Polizeidienststelle übergibt, wird nicht wegen unerlaubten Erwerbs, unerlaubten Besitzes oder unerlaubten Verbringens bestraft“. Aus Sicht von Kripochef Blase „liege es in der vermutlich nicht eindeutig vermittelten Transparenz der Übergabemodalitäten“, gibt er zu. Waffenrechtlich könne ein Führen von Waffen wegen der „unbekannten Ladezustände“ gefährlich sein. Der Waffenexperte der Gewerkschaft der Polizei, Wolfgang Dicke, wirft der Politik zwei Kardinalfehler bei der Gesetzgebung vor. So sei sowohl der Transport illegaler Waffen als auch der von Munition eben nicht unter die Amnestie gefallen: „Wer mit dem Seufzer der Erleichterung illegale Munition zur Waffe mit auf den Tisch der Polizei packte, machte sich damit eben doch strafbar“. Dickes Fazit: „Der Amnestieparagraf ist ein Beweis mehr dafür, wie stümperhaft mittlerweile Gesetzgebungsverfahren laufen und letztlich der gesetzestreue Bürger dann auch noch trotz gegenteiliger Versprechungen verfolgt wird“.
Kampfpille meint: wenn man „Übergabe an eine Polizeidienststelle“ nicht mit einem Transport in Verbindung bringt, wann dann? Entweder holt die Polizei die Waffe ab oder man bringt sie selber zur Wache – aber ein Transport erfolgt auf jeden Fall.
Ferner: in einer Bananenrepublik hätte man die Dinger auf einen Haufen geworfen und wäre mit einer Dampfwalze drüber gefahren. In Deutschland bekommt man scheinbar nicht einmal mehr so etwas Einfaches hin. Das war wohl die letzte "Amnestie" bei der jemand freiwillig mitgemacht hat. Also bloß nicht die Waffen abgeben! Die brauchen wir noch für die sozialen Unruhen nach dem Staatsbankrott!
Übrigens: die nächste Schlagzeile wird vermutlich lauten, dass die beschlagnahmten Waffen "vereinzelt" doch nicht verschrottet, sondern bei uneingeschränkter Funktionsfähigkeit weiterverkauft wurden. Deshalb mussten die Besitzer vermutlich auch eine "Eigentumsverzichtserklärung" ausfüllen. Wem der Schuh passen würde…
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